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Paraguay – Mennoniten – Querdenker – Skat
Manch einer mag sich fragen, was haben Mennoniten, Querdenker und Paraguay mit dem Skatspiel zu tun? Diese Frage wollen wir nach einer kurzen Einführung in die Geschichte Paraguays beantworten. Paraguay ist seit 1811 von Spanien unabhängig. Knapp 7 Millionen Einwohner leben auf einer Fläche von ca. 407 Tausend km². Damit ist Paraguay etwas größer als die Bundesrepublik Deutschland. Das BIP beträgt ca. 120 – 130 Mrd US$. Etwa 7% der Bevölkerung haben Deutsche Wurzeln. Durch die drei Wasserkraftwerken Itaipú, Yacyretá und Acaray wird Paraguay zu 100% mit „Grünem Strom“ versorgt. Seit 15. August 2023 ist der Wirtschaftswissenschaftler Santiago Peña gewählter Staatspräsident.
Die Geschichte der Mennoniten beginnt mit der Täuferbewegung, die zur Reformationszeit, um das Jahr 1525 in Zürich entstand. In der Folge breitete sich diese Bewegung aus und auch in Süddeutschland entstanden erste Täufergemeinden. Die Täufer forderten ein Leben in der Nachfolge Jesu und sahen die Bibel als entscheidende Quelle des christlichen Glaubens. Anders als Luther und Zwingli kamen sie jedoch zu der Erkenntnis, dass die Taufe ausschließlich dann praktiziert werden sollte, wenn die zu Taufenden sich bewusst für den Glauben entscheiden (Gläubigentaufe). Dies lehnten sowohl die katholische Kirche als auch die lutherischen und reformierten Reformatoren ab, die weiter an der Kindertaufe festhielten.
Mit Melchior Hofmann verbreiteten sich die Ideen der reformatorischen Täuferbewegung auch in Norddeutschland und in den Niederlanden. Ein Teil der niederländisch-norddeutschen Täuferbewegung radikalisierte sich jedoch wegen zunehmender Verfolgung und apokalyptischer Vorstellungen. Andere, wie der 1536 zu den Täufern konvertierte Theologe Menno Simons (daher die Bezeichnung: Mennoniten), betonten das Prinzip christlicher Gewaltfreiheit. Simons gewann großen Einfluss innerhalb der norddeutsch-niederländischen Gemeinden. Schließlich wurde der Name auch von Täufergemeinden des schweizerisch-süddeutsch-französischen Raumes verwendet. Der neue Name bot auch einen gewissen Schutz; denn auf ihn stand im Gegensatz zu dem Namen „Täufer“ keine Todesstrafe. Unterdrückung, Verfolgung, Ausweisung, Folter und Tod führten dazu, daß die Mennoniten nach Nordamerika und Rußland auswanderten. In Pensylvania/USA lebt bis heute ein großer Teil europäisch-stämmiger Mennoniten.
Ab 1927 gründeten aus Rußland und Nordamerika stammende Mennoniten auch in Paraguay landwirtschaftliche Siedlungen, hauptsächlich im unwirtlichen, im Nordwesten gelegenen „Chaco“. Bekannt sind heute vor allem die Kolonien Menno, Neuland, Fernheim und Friesland. Aber auch in der südparaguayischen Colonia Independencia fanden sich seit 1996 Mennoniten zusammen. Die in Lateinamerika siedelnden Mennoniten bilden zum Teil völlig autonome Gemeinden und haben sich in größeren nationalen Gemeindeverbänden, wie der Vereinigung der Mennonitengemeinden von Paraguay, zusammengeschlossen. Die mennonitischen Kolonien in Paraguay sind mit ihren Genossenschaftsbetrieben für 75 % der Milchproduktion verantwortlich. Bei vielen in Süd- und Mittelamerika lebenden Mennoniten ist das niederdeutsche „Plautdietsch“ (neben Hochdeutsch, Spanisch und auch indigenen Sprachen) noch immer Umgangssprache.
Die Colonia Independencia ist eine deutschsprachige Kolonie ca. 180 km östlich von Asuncion im Süden Paraguays und hat ca. 27.000 Einwohner. Independencia wurde 1919 von Winzern aus Baden gegründet. Per Dekret stellte die paraguayische Regierung 10.000 Hektar Land für die Einwanderer zur Verfügung und vergab jeweils 10 Hektar an Alleinstehende und 20 Hektar an Familien. Später kamen auch Siedler aus Österreich und der Schweiz hinzu.
An der seit 1956 existierenden „Deutsche Schule“ (Centro Educativo Independencia) mit etwa 200 deutschstämmigen und nicht-deutschstämmigen Schülern kann ein humanistisches Abitur (Bachillerato Humanístico) abgelegt werden.
Der ursprünglich betriebene Weinbau spielt neben Mate, Baumwolle, Zuckerrohr und Rinderhaltung nur noch eine untergeordnete Rolle. Der Tourismus, vor allem der Auswanderungstourismus, gewinnt immer mehr an Bedeutung. Seit der Corona-Pandemie ist die Siedlung Colonia Independencia ein Hotspot für die Corona- und Impfflüchtigen. Mehrere Tausend „Querdenker“ sollen sich dort niedergelassen haben. Erleichtert wird diese Immigration durch ein sehr liberales Einwanderungsgesetz und der Möglichkeit, unbefristete Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen zu bekommen.
Ob Matetee-Bauer, Winzer, Mennonit oder Querdenker, alle trafen sich am 8.5.2026 mit Brasilianern, Argentiniern, Uruguayern, Chilenen und aus Deutschland angereisten 71 Spielern, um die 26. Offenen Paraguayischen Skatmeisterschaften in Bella Vista auszuspielen. Die Gemeinde Bella Vista bezeichnet sich als die Hauptstadt des Matetees (Capital de la yerba mate) wurde 1918 von deutschen Einwanderern gegründet und liegt knapp 300 km südlich von der Colonia Independencia.

Wegen der weiten Anreisen wurde am Freitag, den 8.5.26 ein Vorturnier á 2 Serien und an Samstag, 9.5.26 und Sonntag, 10.5.26 das Hauptturnier zu je 3 Serien um die Paraguayische Skatmeisterschaft gespielt. Von den Forellen Forchheim nahm Dieter Gonschorowski am Turnier teil. Dieser konnte beim Vorturnier den 5. Platz gewinnen. Nach dem 1. Tag des Hauptturniers lag er jedoch aussichtslos mit 2.120 Punkten auf dem 60. Platz. Die am 2. Spieltag erzielten 3.734 Punkte langten nur noch zum 26. Platz mit 5.854 Punkten, jenseits der Preisgeldränge.

Sieger nach 288 Spielen wurde der aus Blumenau/Brasilien stammende Hans Sprung, gefolgt von Peter Klenner, Argentinien und Robin Hermans, Brasilien. Die Sieger wurden mit von der einheimischen Künstlerin Juanita Paniagua entworfenen Pokalen in Gold, Silber und Bronze geehrt, die einen „Tarefero“ darstellen sollen. Bei dem „Tarefero handelt es sich um einen Mate-Teepflücker. Die Skulptur soll die sehr anstrengende Arbeit dieser im 20. Jh verbreiteten Berufsgruppe ehren.
- Hans Sprung, Brasilien 7.558 Punkte
- Peter Klenner, Argentinien 7.247 Punkte
- Robin Hermans, Brasili8en 6.796 Punkte
